Temperaturanzeige in Büro zeigt 32 Grad Zeit Hitzefrei im Büro

Hitzefrei im Büro - Gibt es das?

Der Sommer 2019 steht vor der Tür und damit auch heiße Temperaturen. Grundsätzlich ist der Sommer ja eine traumhafte Zeit - vorausgesetzt ihr könnt euch am Strand oder im Garten aufhalten. Am Arbeitsplatz kommt ihr allerdings viel eher ins Schwitzen. Die letzte Hitzewelle ist noch gut im Gedächtnis – 30 Grad im Büro waren da keine Ausnahme. 

In vielen Geschäftsräumen gibt es keine Klimaanlagen und je nach Bauweise heizen sich die Räume schnell auf. Also was tun, wenn die Hitze im Büro unerträglich wird und ihr arbeiten müsst? Welche Rechte und Pflichten haben Arbeitnehmer und Arbeitgeber bei Hitze im Büro? Wir haben euch die wichtigsten Infos dazu zusammengefasst. 

Gibt es ein Recht auf "Hitzefrei"?

"Hitzefrei" ist dem Arbeitsrecht leider weitgehend unbekannt. Nur wenn die Gesundheit in Gefahr ist, haben Beschäftigte einen Anspruch, die Arbeit niederzulegen. Lediglich für Schwangere, stillende Mütter oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es die Ausnahme, dass für diese zu große Hitze unzumutbar ist. 

Alle anderen Arbeitnehmer haben aber zumindest ein Recht darauf, von ihrem Arbeitgeber bestmöglich vor der Hitze am Arbeitsplatz geschützt zu werden. Nach dem Arbeitsschutzgesetz sind Arbeitgeber verpflichtet, die Arbeitsräume für ihre Mitarbeiter so zu gestalten und auszustatten, dass keine gesundheitlichen Gefährdungen für die Arbeitnehmer entstehen. Das gehört zu der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Konkrete Angaben, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen und welche speziellen Anforderungen es an die Ausstattung der Arbeitsräume gibt, sind im Arbeitsschutzgesetz fast nicht konkretisiert. 

Welche Höchsttemperaturen sind am Arbeitsplatz zulässig?

Jalousien helfen Hitze im Büro vorzubeugen

Diese Werte sind in den technischen Regeln der Arbeitsstätten (kurz: ASR) festgehalten. Sie sind eine Ergänzung zu der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und enthalten eine Konkretisierung für die Anwendung in der Praxis. Wichtig zu wissen: Im Arbeitsrecht wird zwischen Raum- und Lufttemperatur unterschieden. Die Raumtemperatur ist die gefühlte und die Lufttemperatur ist die tatsächliche Temperatur am Arbeitsplatz. 

2011 hat der Gesetzgeber in den ASR A3.5 der ArbStättV folgende Temperaturschwellen festgelegt:

1. Die Mindesttemperatur

Die Raumtemperatur am Arbeitsplatz sollte für sitzende Tätigkeiten mindestens 19 Grad Celsius betragen. Bei körperlicher Arbeit im Stehen oder Gehen verringert sich diese je nach Schweregrad der Arbeit auf 12 bis 17 Grad.

2. Die Maximaltemperatur

Generell gilt, dass eine Raumtemperatur von 26 Grad Celsius bei der Arbeit im Sommer sowie auch im Winter nicht überschritten werden darf. Steigt die Raumtemperatur an besonders heißen Tagen dennoch auf über 26 Grad, ist der Arbeitgeber angehalten, über zusätzliche Gegenmaßnahmen nachzudenken.

Ab 30 Grad müssen Arbeitgeber wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen, um die Beanspruchung der Mitarbeiter zu reduzieren. Dazu gehört beispielsweise die effektive Steuerung des Sonnenschutzes und der Lüftungsanlagen.

Erreicht die Raumtemperatur über 35 Grad wird es abenteuerlich: Arbeitgeber müssen Luftduschen, Wasserschleier oder Hitzeschutzkleidung bereitstellen. Da diese Maßnahmen wohl an den wenigsten Arbeitsplätzen umsetzbar sind, bleibt den Arbeitgebern in diesem Fall nur eine Wahl: Hitzefrei - denn ab 35 Grad gilt der Arbeitsplatz ansonsten als unzumutbar.

Für Arbeitnehmer, die gesundheitliche Probleme haben, schwere körperliche Arbeit verrichten, Schutzkleidung tragen oder schwanger sind, müssen die Chefs sämtliche Maßnahmen bereits bei einer Raumtemperatur von 26 Grad Celsius implementieren, denn sonst sind diese Personengruppen gesundheitlich gefährdet und dürfen ihre Arbeitsplätze verlassen. 

Frau trinkt bei Hitze im Büro Wasser

Cool down - So sollten Arbeitgeber für Kühlung sorgen

Jeder Arbeitgeber entscheidet selbst, welche Maßnahmen ihm oder ihr sinnvoll erscheinen und entsprechend ergriffen werden. Wirksame Maßnahmen sind zum Beispiel: 

  • Technische Ausstattung bereitstellen: Jalousien, Markisen oder Ventilatoren
  • Organisatorische Veränderungen ergreifen: Lüften in den frühen Morgenstunden, ausreichend Getränke zur Verfügung stellen, Arbeiten in kühlere Räume verlegen, elektrische Geräte nur bei Bedarf in Betrieb nehmen
  • Personenbezogene Maßnahmen einführen: Lockerung der Kleiderordnung, Gleitzeit

Laut Gesetzgeber gilt, dass technische und organisatorische Maßnahmen vor den personenbezogenen Maßnahmen durchgeführt werden.

Stay cool - So können Arbeitnehmer sich im Büro abkühlen

Es geht um eure Gesundheit und euren Arbeitsplatz, daher solltet ihr als auch Arbeitnehmer alles tun, um cool zu bleiben und euch eure Leistungsfähigkeit während des Arbeitstages zu bewahren. Wie das geht?

Hier kommen unsere 10 Tipps für kühle Köpfe:

  1. Die Kleidung anpassen: Von der kurzen Hose über Flip Flops bis hin zum leichten Sommerkleid - bequeme luftige Kleidung und offene Schuhe erleichtern das Schwitzen und verringern die körperliche Belastung bei Hitze.
  2. Viel trinken: Am besten sind Wasser und andere ungesüßte Getränke. Wem der heiß geliebte Kaffee im Sommer zu warm ist, der kann sich auch mit Eiskaffee etwas Erfrischung holen.
  3. Die Haut kühlen: Wenn ihr eure Unterarme ein paar Minuten unter fließendes kaltes Wasser haltet, senkt sich eure Körpertemperatur. Auch Erfrischungssprays sorgen für etwas Abkühlung.
  4. Leicht Essen: Leicht verdauliche Speisen wie Salat und Obst sind gut für den Kreislauf. Schwere, fettige Speisen solltet ihr vermeiden, sie belasten den Körper nur unnötig.
  5. Den Sonnenschutz aktiv nutzen: Verbannt die Sonne mit den durch euren Chef bereitgestellten Sonnenschutzmaßnahmen frühzeitig aus eurem Büro, damit der Raum sich gar nicht erst erwärmt.
  6. Kleine Ventilatoren aufstellen: Ein kleiner Tischventilator kann Wunder bewirken und ist auch ein sehr nützliches Geschenk für liebe Kollegen. 
  7. Zusätzliche Wärmequellen vermeiden: Elektrogeräte geben Wärme ab, nehmt einfach alle Geräte in der Zeit, in der sie nicht genutzt werden, vom Stromkreis.
  8. Nutzt den Tag: Ein gutes Time-Management hilft. Wenn ihr mit eurem Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten vereinbaren könnt, dann nutzt die Morgenstunden bei der Arbeit und genießt die heißen Nachmittagsstunden im Schwimmbad.
  9. Kalte Ölung: Menthol-Öl als ständiger Begleiter macht sich auch am Arbeitsplatz super. Einfach kurz auf die Schläfen, Handgelenke oder Kniekehlen auftragen und das kühle Gefühl auf der Haut genießen.
  10. Cool-down-Übungen: Geschwollene Füße? Stellt euch mehrmals täglich zwanzig Mal hintereinander auf die Zehenspitzen. Das wirkt Wunder!

Basteltipp für einen Fächer, den ihr ganz einfach im Büro basteln könnt:

Fächer basteln um Hitze im Büro vorzubeugen

Material für einen Fächer

Und so bastelt ihr euch einen Fächer aus Papier ganz einfach selbst

  1. Faltet das Papier längs wie eine Ziehharmonika auf.
  2. Knickt das Bastelstück anschließend in der Mitte.
  3. Befestigt beide Hälften mit einem Hefter am unteren Ende. 
  4. Ihr könnt den Fächer noch vergrößern. Verfahrt mit einem weiteren Papier so wie oben. Heftet beide Hälften zusammen.

Aktiv auf den Arbeitgeber zugehen

Selbst gebastelter Fächer aus Papier

Cool bleiben - in jedem Dialog

Bitte vergesst nicht: Jeder reagiert anders auf die heißen Temperaturen. Sollte die Sommerhitze euch zu schaffen machen, dann wendet euch an euren Chef, Kollegen oder eure Mitarbeiter und leitet im Team die geeigneten Maßnahmen ein, um cool zu bleiben.

Sollte es unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema geben, dann bleibt unbedingt im Dialog und versucht, eine gemeinsame Regelung zu finden. Vielleicht könnt ihr euren Chef freundlich auf die technischen Regeln der Arbeitsstättenverordnung (ASR A3.5) hinweisen. Manchen Arbeitgebern sind diese rechtlichen Verordnungen schlicht nicht bekannt und grundsätzlich liegt es ja im Interesse eines jeden Arbeitgebers, die Motivation und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter - auch an heißen Sommertagen - zu erhalten.

Solltet ihr dennoch wiederholt auf taube Ohren stoßen, gibt es immer noch die Möglichkeit, diese Situation zu melden. Ansprechpartner sind in diesem Fall je nach Betrieb die Gewerbeaufsichtsämter oder die jeweiligen Ämter für Arbeitsschutz. Spätestens dann macht aber auch durchaus eine Beratung durch den Betriebsrat oder einen Anwalt Sinn.

 

Quellen und weitere Informationen

Technische Regel für Arbeitsstätten: ASR A3.5 "Raumtemperatur"

Klima am Arbeitsplatz: Empfehlungen für heiße Sommertage in Arbeitsstätten

 

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